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INKLUSIVE BADEFREUDEN

Madeleine Darya Alizadeh (32) machte sich als bloggende Influencerin Dariadaria Gedanken über die Möglichkeit eines Badetages ausschließlich für Frauen. Bei den Wiener Verantwortlichen blitzte sie mit ihrer Frage zwar ab, doch im Thermalbad Vöslau fand sie Gehör: am 3. September wurde ihre Initiative umgesetzt – warum auch nicht?

Kaum gebloggt, wurde das Thema prompt zur spätsommerlichen Hitzeschlacht – quer durch soziale Schichten bis hin zu politisch gewidmeten Reaktionen. Im Auslöser dazu war allerdings einiges zu lesen, das dank prekärer Formulierung Konsequenzen – im Sinne von Gegenmaßnahmen – leider herausforderte: „Gerade im Sommer sind viele Plätze, allen voran Freibäder, Orte, die für weiblich gelesene Personen nicht sicher sind“. Ihnen bot nun an diesem 3. September die Leitung des Thermalbades den Raum, wo „Schönheitsstandards, Körpernormen und male gaze“ keinen Zutritt hatten. Die Eintrittsgelder – drei Euro pro Kopf – wurden an den Afghanischen Frauenverein gespendet. Ob mit dieser (einmaligen?) Widmung ein Schritt zurück zu den Vöslauer Ursprüngen getan wird, bleibt zwar fraglich, aber 1873 hatten Männer und Frauen noch getrennte Badezeiten in den Thermen.

Im „Standard“ vom 2. September war dazu nun unter dem Titel „Befremdlicher Hass“ eine Interpretation der Idee zu lesen, die positiven Perspektiven kaum dienlich ist: „Einen Nachmittag lang wollen Frauen, Lesben, Inter-, Nichtbinäre und Transpersonen (…) unter sich sein“. Das für die Gesamtheit dieser erwähnten Personen gültige Akronym FLINT wird wohl in der Therme kaum eine reale Gemeinschaft bekommen, denn Frauen (so hetero und cis) könnten es eventuell unangenehm finden, sich gemeinsam mit den anderen „als weiblich gelesenen“ Personen in der Dusche oder Umkleide zu finden. Eine weitere Formulierung mit unpassenden Vergleichen sei zitiert: „Die Ablehnung und der Hass (…), die sich jetzt Raum schaffen, sind höchst befremdlich in einer Gesellschaft, die getrennte Männer- und Frauenschwitzbäder im Tröpferlbad, Schwulensaunas und Sadomaso-Klubs toleriert bis gutheißt“. In der Gay-Sauna oder im SM-Klub wird wohl genau das gesucht, was in der Therme vermieden wurde – eine sexuell aufgeladene Atmosphäre.

Die einzig passende Reaktion sollte nun nicht sein, im Vöslauer Angebot nach Diskriminierungen ausgeschlossener Gruppe zu suchen, sondern – schlicht und einfach – zu fragen, ob ähnliche Inklusionen auch Männern (ohne „progressive“ Umschreibung mit „männlich gelesene Personen“) ermöglicht werden könnten, ohne dass dann prompt mediale Schlagwörter wie „Male Gaze“ (als dominante Sichtweise) und Patriarchat (als Quelle allen Übels) folgten. Wo sind die Blogger, die ihre Follower für derartige Ideen begeistern wollen?

Vor Covid gab es in Wien immer wieder speziell gewidmete Badetage für Gruppen, die es vorzogen, unter sich zu bleiben – dank privater Initiativen etwa in der „Sargfabrik“ und im (nicht mehr bestehenden) Margaretenbad. Auch städtisch betriebene Anstalten (Jörgerbad, Amalienbad) fanden in der Halle und auf der sommerlichen Sonnenterrasse Zeitfenster für Gäste mit besonderen Ansprüchen, die sich u.a. aus religiösen Auflagen ergaben.

Die Redaktion

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